Fotos

Organisation der Fotosammlung

Ich möchte hier einmal kurz vorstellen wie ich meine Fotosammlung organisiere. Vielleicht kannst du auch davon profitieren. Aber auch wenn meine Struktur sich für mich bereits über mehrere Jahre bewährt hat, muss das nicht heißen, dass sie auch für dich ideal ist. Also betrachte sie kritisch und versuche einzuschätzen, ob für dich nicht die eine oder andere Anpassung sinnvoll ist.

Grundsätzliches

Fotodateien sollte man mit Respekt behandeln. Wir haben in der digitalen Fotografie keine Negative mehr, die in irgendeinem Schrank ohne weiteres mehrere Jahrzehnte überdauern. Deshalb müssen wir mit den Originaldateien aus der Kamera sehr sorgfältig umgehen. Auch stellt uns die große Anzahl der Fotos die heute in kurzer Zeit entstehen, vor deutlich größere Herausforderungen in der Organisation unserer Fotosammlung als noch vor 20 Jahren.

Eine Fotosammlung schrumpft nicht, sie wächst nur, da Fotos nur sehr selten gelöscht werden. Aber keine Angst vor den Datenmengen, die Speicher wachsen durch die technologische Entwicklung mit.

Von deiner gesamten Fotosammlung solltest du mindestens zwei Backups anlegen und frisch halten. Ich habe eine Kopie meiner Fotosammlung auf einem Notebook (und damit auch portabel) und eine auf einer externen Festplatte. Ich verwende zum Synchronisieren der Kopien unter Windows das Befehlszeilenwerkzeug 'robocopy'.

Es ist sehr wichtig, frühzeitig eine gute Struktur für die Sammlung zu finden, da ein späteres Umsortieren sehr aufwändig werden kann.

Ordnerstruktur

Nun komme ich zu der Ordnerstruktur in der ich meine Originaldateien aufbewahre.

Übersicht

Hier meine Ordnerstruktur in der Übersicht:

  • Projekte
    • Privat
      • 2012.07.01 Wasserreflektionen
      • 2012.07.02 Blüten im Wasser
      • ...
    • Beispiel GmbH
      • 2012.06.02 Coverbilder Flyer
      • ...
  • Technik
    • 2011.02.07 Test 28mm Objektiv
    • 2012.05.10 Farbtemperatur mit Blitz
    • ...
  • Veranstaltungen
    • 2011.04.01 Hochzeit von Ulli
    • 2011.06.02 80ter Geburtstag Oma
    • 2012.05.20-22 Bootstour mit Jan
    • ...
  • Zeitstrahl
    • 2011
      • 2011.02.30 Spaziergang im Spreewald
      • 2011.05.12 Blüten
      • 2011.05.12 Wohnungsbesichtigung
      • 2011.12.24 Heilgabend bei der Familie
    • 2012
      • ...

Allgemein

Auf oberster Ebene wird die Fotosammlung in Hauptgruppen unterteilt. Für mich haben sich die Gruppen Zeitstrahl, Veranstaltungen, Projekte und Technik bewährt. Ein Gruppenordner enthält entweder für jedes Jahr einen Unterordner oder direkt die Ordner mit den Bildern. Bilder werden immer in einem Ordner mit vorangestelltem Datum zusammengefasst. Dabei sollten die Bilder aufgrund des Aufnahmeorts oder des Anlasses zusammengehören. Oft entstehen an einem Tag ein oder zwei Ordner. Sollte ein Ereignis über mehrere Tage gehen, fasse ich die Bilder in einem Ordner zusammen.

Beispiel: "2011.05.12 Wohnungsbesichtigung" oder "2012.05.20-22 Bootstour mit Jan"

Das Datum wird in der Reihenfolge Jahr, Monat und Tag notiert, weil dadurch eine chronologische Sortierung möglich wird.

Projekte

Projekte sind für mich Fotoreihen, die ich plane und mit einem bestimmten Ziel aufnehme. Oft gehören sie auch zu einem Auftraggeber. Deshalb werden sie innerhalb des Projekte-Ordners nach Auftraggeber gruppiert.

Technik

In die Gruppe Technik ordne ich alle Fotoreihen ein, die ich aufnehme, um meine Ausrüstung zu testen und kennenzulernen.

Veranstaltungen

Die Gruppe Veranstaltungen ist für mich notwenig geworden, weil ich relativ regelmäßig Veranstaltungenn mit der Kamera begleite und dabei in kurzer Zeit sehr viele Fotos entstehen. Veranstaltungsfotos von den übrigen Fotos zu trennen hat für mich zwei Vorteile: Einerseits bleibt meine Fotosammlung übersichtlicher, wenn ich mich nicht ständig durch hunderte oder tausende Bilder von Leuten wühlen muss die kaum oder gar nicht kenne; und andererseits finde ich die Fotos einer Veranstaltung schneller, wenn mich jemand anspricht nach dem Motto "Hast du damals nicht auch Fotos gemacht?".

Zeitstrahl

Im Zeitstrahl landet alles, was in die übrigen Gruppen nicht reingehört. Da bei mir im Zeitstrahl die meisten Unterordner entstehen, enthält er für jedes Jahr einen eigenen Unterordner. Das hilft nach mehreren Jahren sehr, den Überblick zu behalten. In den Jahres Ordnern werden die Fotos in der unter 'Allgemein' beschriebenen Weise in ihren Ordnern abgelegt.

Workflow für Fotodateien

Jetzt möchte ich ein wenig darauf eingehen, wie der Workflow aussieht mit dem ich meine Fotodateien verwalte.

  1. Die Fotodateien die von der Kamera kommen, werden von mir sofort in die oben erläuterte Ordnerstruktur eingeordnet und anschließend nicht mehr verändert.

  2. Ich benenne meine Originaldateien beim Importieren in meine Fotosammlung nicht um. Sie behalten den Namen, den sie von der Kamera erhalten haben. Das mag nicht für jeden sinnvoll sein, ich fahre jedoch bereits mehrere Jahre gut mit dieser Strategie. Wichtiger als der Dateiname ist die Ordnerstruktur, in der die Dateien abgelegt werden.

  3. Erst wenn die Originaldateien an ihrem Platz sind, importiere ich sie in meine Fotoverwaltungssoftware. Ich bevorzuge eine Software mit der ich nicht destruktiv arbeiten kann, die also Korrekturen und Filter für ein Bild berechnen kann, ohne die Originaldatei zu verändern. Mit Adobe Lightroom bin ich z.B. sehr zufrieden.

  4. Sollte ich eine Datei direkt bearbeiten wollen (z.B. mit Photoshop), lege ich in jedem Fall als erstes eine Kopie an und hänge an den Dateinamen einen Vermerk an, wie z.B. 'edit' oder wenn ich mehrere Varianten bearbeite eine Nummer wie '01'. Dadurch kann ich in der Sammlung schnell Originale von bearbeiteten Dateien unterscheiden:

    Original: IMG_1234.cr2
    Bearbeitet: IMG1234_01.tif

Workflow in Lightroom

Nun möchte ich kurz meine Arbeitsweise in Lightroom beschreiben. Wenn ich neue Fotos von der Chipkarte geholt und in meine Ordnerstruktur eingeordnet habe, bin ich bereit, die Fotos auch in Lightroom aufzunehmen.

Noch eine kleine Bemerkung: Obwohl Lightroom selbst auch viele Möglichkeiten bietet, Fotos direkt von der Chipkarte oder der Kamera zu importieren, ist es mir persönlich lieber, die Dateien per Hand in meine Fotosammlung einzuordnen. So weiß ich immer, wo sie wirklich auf der Festplatte liegen.

Importieren

Der erste Schritt ist, Lightroom von der Existenz der neuen Bilder in Kenntnis zu setzen. Dazu wechsel ich falls nicht schon geschehen in den Bibliotheks-Modus und die Raster-Ansicht (G). Anschließend öffne ich den Import-Dialog (Strg + Umschalt + I). Der Importdialog bietet verschiedene Arten des Imports an, ich verwende den Modus "Hinzufügen", damit werden die Bilder nicht verschoben oder kopiert, sondern nur direkt in den Lightroom-Katalog aufgenommen.

Ich navigiere über die Schaltfläche "Ort" in meine Ordnerstruktur und wähle den Ordner, der neu hinzugekommen ist. Dann wähle ich auf der rechten Seite meine Standard-Voreinstellung für den Import (mit automatischer Objektiv-Korrektur) aus und starte den Import-Vorgang.

Ausschuss löschen

Nun sind die Bilder im Lightroom-Katalog und Lightroom berechnet schon einmal die Vorschaudateien für die importierten Bilder. Als nächstes gehe ich in einem sehr schnellen Durchgang durch alle Bilder und markiere die als abgelehnt (X), die ich sofort wieder löschen möchte. Das sind nur Bilder, die ich auf den ersten Blick in der Rasteransicht als unbrauchbar identifizieren kann. Das muss sehr schnell gehen, wenn ich unsicher bin, bleibt das Bild unangetastet.

Dann verwende ich die Aufäumenfunktion (Strg + Rücktaste) um alle sofort abgelehnten Bilder von der Festplatte zu löschen.

Metadaten

Bevor ich mich jetzt mit irgendwelchen Korrekturen oder einer Bewertung beschäftige, werden die Bilder mit Metainformationen versehen. Dazu gehören bei mir Stichwörter, Ortsinformationen und Farbmarkierungen (6-9) für Kategorien (Architektur - blau, Landschaft - grün, Stilleben - gelb, Portrait - rot und Dokumente oder Schilder - violett) Titel vergebe ich nur für einzelne Bilder die ich veröffentlichen möchte. Eine Bewertung mit Sternen (1-5, 0) führe ich erst nach den Korrekturen durch.

Für die Menge und Art an Stichworten musst du ein eigenes Maß finden, bei dem du typische Suchanfragen schnell beantworten kannst, dir bei dem ganzen Verschlagworten aber nicht die Lust an der Fotografie vergeht.

Ich empfehle dir dich aber von vornherein darauf einzustellen, dass das Verschlagworten und markieren von Bildern fast so viel Zeit benötigen kann, wie das Zuschneiden und Korrigieren. Die Metainformationen werten eine Fotosammlung aber auch enorm auf. Viele von den mächtigen Such- und Filterfunktionen in Lightroom entfalten nur mit guten Metainformationen ihre Schlagkraft.

Beschäftige dich einmal gründlich mit den Hilfsmitteln, mit denen Lightroom das Vergeben von Stichworten erleichtert. Das kann eine Menge Zeit sparen.

Ablehnen

Nun kann es endlich an den Bildinhalt gehen, aber bevor ich mich nun in den Entwicklungsmodus (D) stürze, gehe ich wieder einmal durch alle importierten Bilder und markiere erneut alle als abgelehnt (X), die technische Mängel aufweisen oder dem Ziel der Aufnahme nicht dienlich sind. Dazu gehören Unschärfen, abgeschnittene Motive, extrem schlecht belichtete Aufnahmen und nicht weiter interessante Testaufnahmen.

Beim Aussortieren nehme ich mir etwas mehr Zeit und schaue mir einzelne Bilder oft in der Einzelbildansicht (E) und mit der Zoomfunktion bei 100% an, um die Schärfe richtig beurteilen zu können.

Die in diesem Schritt angelehnten Fotos lösche ich in der Regel nicht. Manchmal fehlt später ein gutes Bild für einen wichtigen Moment, dann kann ich immer noch auf ein schlechtes Bild zurückgreifen. Das finde ich immer noch besser, als eine Lücke in der Story zu lassen.

Basiskorrekturen

Nun widme ich mich wirklich dem Bildinhalt, dazu wechsle ich in den Entwicklungsmodus (D) und beginne in der Regel mit dem Weißabgleich (W) und der Grundhelligkeit. Im Entwicklungsmodus macht es sich gut, entweder den Filmstreifen am unteren Bildrand (F6) einzublenden, oder wenn man zwei Monitore benutzt, die Rasteransicht auf dem zweiten Monitor (Umschalt + G) zu öffnen.

Bilder die unter den gleichen Aufnahmebedingungen enstanden sind, können synchronisiert werden. Dazu korrigiere ich das erste Bild einer Reihe, markiere anschließend alle Bilder in der Reihe, wähle Synchronisieren (Strg + Umschalt + S) und wähle im darauffolgenden Dialog nur jene Grundeinstellungen, die ich gerade verändert habe. Eine Alternative ist die automatische Synchronisation.

Annehmen und Feinschliff

Nach dem ich die Grundbelichtung für alle Bilder eingestellt habe, gehe ich wieder durch die Bilder und korrigiere wenn nötig den Zuschnitt (R) und markiere dabei auch alle Bilder als angenommen aus (P, Markierung zurücksetzen mit U), die ich für wirklich gelungen halte, oder die bei einer großen Bildanzahl (z.B. von einer Veranstaltung) für die Weitergabe geeignet sind. Nur für die angenommenen Bilder nehme ich mir Zeit für feine Farbkorrekturen und eventuelle Retuschen mit dem Reparieren-Werkzeug (Q), den Verlaufsfiltern (M) oder dem Korrekturpinsel (K).

Noch ein Tip für die Auswahl der angenommenen Bilder: Wenn ich eine Veranstaltung begleitet, oder auf einer Urlaubsreise fotografiert habe, wähle ich nicht mehr als 40 Bilder als angenommen aus. Je nach Größe und Wichtigkeit der Veranstaltung oft nur 15-30. Denn das ist eine Anzahl von Fotos, die ich mir persönlich auch mit Freude hintereinander anschauen kann. Werden es mehr, gehen mir Diashows schnell auf die Nerven. Wenn jemand von einer Reise zurückzukommt und mir jetzt 200 Bilder zeigen will, weil alles so toll war, ist das für einfach viel zu viel.

Sind die Bilder für einen Aufraggeber entstanden, muss ich mich bei der Auswahl natürlich nach seinen Vorgaben richten. Wenn ein Brautpaar keine speziellen Wünsche hat, mache ich bei Hochzeiten oft eine dreistufige Auswahl und Entwicklung: - 20-30 Bilder die die Hochzeit in den wichtigsten Höhepunkten erzählen - weitere 100 Bilder für die ich mir die Zeit nehme, sie sorgfältig zu korrigieren - alle übrigen technisch korrekten Bilder unkorrigiert für das Archiv

Wenn ich längere Zeit mit vielen kleinen Korrekturen an einem Bild beschäftigt bin, möchte ich manchmal einen bestimmten Punkt in der Entwicklung festhalten, um überprüfen zu können, ob nachfolgende Korrekturen eine Verbesserung oder eine Verschlechterung sind. Dazu eignen sich sehr gut die Schnappschüsse (Strg + N). Möchte ich einen Teil der Einstellungen als Vorgabe sichern und bei anderen Bildern wiederverwenden, geht das schnell mit Strg + Umschalt + N.

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